1360 Militär


Training in Visby
In unserer Darstellung haben wir uns auf das Jahr 1360 festgelegt. für diese Zeit ist in unserer Heimatstadt Stade ein Blidenmeister belegt. In späteren Jahren wird der gleiche Mann als Armbrustbauer und städtischer Geschützmeister erwähnt. Erbewohnte als städtischer Angestellter ein Stadteigenes Haus in der Nähe des großen Tores und des damaligen Zeughauses. In diesem Zeughaus wurdenüblicher weise die Stadteigenen Waffen, für dessen Zustand der Geschützmeister verantwortlich war, in Friedenszeiten aufbewahrt.
In Kriegszeiten hatte der Geschützmeister entweder die Verantwortung über die schweren Geschütze (Steinschleudern, Wallarmbrüste, etc.) oder über die Armbrustschützen. Welche Funktion er in Stade inne hatte ist allerdings nicht überliefert. Belegt ist allerdings, das er in den 1380ger Jahrengenug Vermögen angesammelt hat um ein eigenes Haus zu besitzen.

Rüstung                                  Der Armbrustschütze      


Rüstung


RüstungSpiesser
Die Darstellung haben wir um diese Person herum aufgebaut. Da für diese Zeit im Raum Stade die Rüstungs-Belege rar gesät sind haben wir uns an den Visby Funden orientiert. Dort, auf Gotland, vor der Hansestadt Visby fand im Sommer 1361 eine Schlacht zwischen dem dänischen König Waldemar und den Gotländern statt. Die Hansestädter von Visby haben dann nach der Schlacht den Dänischen Siegern die Tore geöffnet.
Das besondere an Visby ist allerdings aus heutiger Sicht, das die Toten mit ihren kompletten Rüstungenbegraben wurden. Nur Die Waffen und Helme fehlten. Man nimmt an das die Hitze an dem Schlachttag dazu zwang die Toten sofort zu begraben und nicht erst auszuziehen.
Die Funde aus den 4 Massengräbern bilden die Grundlage meiner Ausrüstung.









Plattenrock

PlattenrockIn den Gräbern von Visby wurden neben einer großen Anzahl an Kettenhemden auch 24 Plattenröcke gefunden. Diese Anzahl und Vielfalt ist einmalig.
Mit dem aufkommen stärkerer Waffen (Kriegshammer, Armbrüste wurden stärker) war man mit dem Kettenhemd nicht mehr gut geschützt. Man versuchte anfangs, einzelne Platten an das Kettenhemd zu heften. Später ging man dazu über einen Lederrock oder festen Stoff von Innen mit Eisenplatten zu vernieten. Die Platten wurden so ineinandergeschoben das es keine Möglichkeit gab mit einem Pfeil oder Schwert dazwischen zu gelangen. Meiner ist der so genannte Typ 1. Er besteht aus Leder mit 20 Metallplatten und 2 Schulterstücken. Die Plattenröcke in Visby bestehen aus 8 (Armour 2) bis weit über 500 Platten (Armour 24).

Handschuhe

HandschuheAuch bei den Handschuhen gab es Fortschritte. Gab es im 13. Jahrhundert Handschuhe aus Kettenringen oder gleich am Kettenhemd angebracht, so wurden im 14. Jahrhundert vermehrt Lederhandschuhe mit angenieteten Plättchen benutzt. Diese Plättchen waren natürlich nur auf dem Handrücken angebracht um das Gefühl für die Waffe oder dem Schild nicht zu verlieren.
Meine Handschuhe sind ein Nachbau von den Visby-Fund "Gaudlet 3" (In Visby sind 20 Handschuhe und Fragmente gefunden worden). Jeder Handschuh besteht aus einem feinen Innenhandschuh mit aufgenähten Lederrücken. Auf diesem Lederrücken sind wiederrum je 70 Eisenplatten angenietet.

Falchon

FalchonEin Falchon oder Malchus ist ähnlich wie ein Schwert aufgebaut, allerdings mit nur einer Schneide und einem Horn auf dem stumpfen Rücken. Der Rücken vom Horn bis zur Spitze war allerdings auch scharf, damit man auch stechen konnte. Durch das Horn verlagerte sich der Schwerpunkt der Waffe mehr zur Spitze, so das filigranes Fechten nicht möglich war. Eher eine Wuchtwaffe für den ungeübteren Kämpfer. In einigen Literaturhinweisen wird erwähnt, das der einfache Krieger kein Schwert führen durfte und daher auf das Falchon beschränkt war, andere wiederlegen diese Behauptung wieder.
















Dolch

DolchDer Dolch an der Seite war im 14ten Jahrhundert ein Statussymbol, etwa zu vergleichen mit dem Colt im wilden Westen (mit etwa den gleichen Nebenwirkungen). Auch im Kriegsfall war er als Beiwaffe gut zu gebrauchen. Das Original meines Dolches wurde 1986 aus dem alten Stader Hafen geborgen, ein Hafen der seit dem 14ten Jahrhundert nicht ausgebaggert wurde. Datiert wurde er auch eben auf diese Zeit. Um genaue Maße zu erhalten, durften wir ihn mit Handschuhen drehen und wenden und von allen Seiten fotografieren und vermessen.

Der Armbrustschütze

ArmbrustschützeArmbrustschütze2
Der Blidenbauer als Diener/Angestellter der Stradt war auch oft für den Bestand und erhalt der übrigen stadteigenen Waffen zuständig. Ein wichtiger Bestandteil dieser Waffen waren Armbruste. Im Kriegsfall wurden damit Knechte und andere Männer bewaffnet, die sich vom Stand her keine eigene Bewaffnung leisten konnten. Ab ende des 14. Jahrhunders wurden die Bliden allmählich durch Bussen (Kannonen) abgelöst. Der Blidenbauer musste sich umorientieren. In Stade sehen wir das durch die Änderung seines Nachnamens von Balistifex (Blidenbauer) zum Balistarius (Armbrustbauer). Der Nachname war im 14. Jahrhundert noch nicht in die Wiege gelegt sondern beschrieb die Tätigkeit der Person. Als Stadtdiener war er auch oft der Führer der Armbrustschützen im Felde und bei der Stadtverteidigung.
Vor diesem Hintergrundwissen haben wir uns entschieden auch einen Armbrustschützen um 1360 darzustellen.







Armbrust
ArmbrustDie Armbrust als Fernwaffe hat den Vorteil gegenüber dem Bogen das die Energie gespeichert werden kann um in Ruhe das Ziel anzuversieren und der Armbrustschütze musste nicht ab Kindesalter trainieren um durchschlagsstarke Bögen treffsicher bedienen zu können. Um den Ergeiz der Stadtbefölkerung anzustacheln mit der Armbrust zu üben wurden ab dem Ende des 13. Jahrhunderts von den Städten Preise gestiftet und die ersten Fogel/Ringschießen entstanden (Der Vorläufer der heutigen Schützenfeste).
Als Nachteil der Armbrust gegenüber Dem Bogen ist die geringe Schußfrequenz, die höheren Anschaffungskosten und die höhere Anfälligkeit des Kompositbogens gegenüber Feuchtigkeit zu sehen.
In 14. Jahrhunder verdrängte der Kompositbogen langsam den Holzbogen weil damit größere Kräfte realisierbar waren. Der Kompositbogen besteht genau wie der asiatische Reiterbogen aus Horn, Tiersehnen und Leim. Um den Bogen unempfindlicher gegen Feuchtigkeit zu machen wurde der Bogen häufig mit Pergament oder Birkenrinde umklebt.
Die Säule bestand aus Holz. Die Nuß, die die Sehne im gespannten Zustand hält, aus Hirschhorn. Die Sehne bestand aus Hanffäden, die in mehreren Wicklungen und dem speziellen "Gotischen Knoten" hergestellt wurde.
Am vorderen Ende hatte die Armbrust zum spannen einen "Stehgreif", einen eisernen Ring. Die Armbrust wurde mit dem Stehgreif nach unten auf den Boden gestellt, ein Fuß wurde dort reingestellt um die Armbrust beim spannen am Boden zu halten. Der Spannhaken, der an einem speziellen Gürtelbefestigt war wurde inter die Sehne gehakt und mit der Bein-, und Rückenmuskulatur wurde die Sehne in die Nuß gezogen.
Meine Armbrust ist ein Nachbau des ältestenerhaltenen Originals in Deutschland. Sie liegt im Kölner Stadtmuseum und wird auf 1400 datiert.

Spanngurt
SpanngurtDer Spanngurt besteht aus einem sehr festen Gürtel und einem vor dem Bauch hängenden einfachen oder doppelten Haken. Um die Armbrust zu spannen wird jetzt der Fuß in den Stehgreif gesteckt, der Haken unter die Sehne gehakt und durch die Kraft der Beine in die Nuß gesetzt.
Diese Art des Spannens war solange möglich wie die Kraft der Beine und der Kücken es zuläßt. Ab dem 15. Jahrhundert kamen dann Winden in gebrauch.
Die LEderarbeiten an meinem Spanngurt habe ich selbst ausgeführt.

Köcher
KöcherDie Bolzen wurden auf verschiedene Weise aufbewahrt. Üblicher weise wurden sie in Kästen oder Tonnen gelagert. Der Reiter zu Pferd im städtischen Dienst hatte an der Seite einen Köcher.
Für diesen Köcher habe ich die Holzarbeiten ausgeführt. Den Rest hat mein Freund Hagen gemacht, habe ich mir nicht zugetraut.

Köcher2









Bolzen
SpanngurtDie Bolzen, beim Bogen Pfeil genannt, sind je nach verwendeter Armbrust ca. 40cm lang. Die Befiederung bestand aus Federn, Holz oder Pergament. Die Eisenspitze ist entweder mit einer Hülse ausgestattet um sie um sie auf das angespitzte Holz zu stecken oder mit einem Dorn versehen, der ins Holz gesteckt wird.
Ich habe meine Bolzen von meinem guten Freund Hagen, der sich eine Darstellung als Pilemaker aufgebaut hat.




Setzschild
SpanngurtJeder Armbrustschütze im Feld benötigte zum Selbstschutz ein Setzschild. Idealerweise ist dafür ein eigener Träger vorhanden. Der Armbrustschütze selbst kann sich beim spannen und zielen nicht um seinen Selbstschutz kümmern.
Das Motiv meines Setzschildes orientiert sich am Bremer Stadtwappen. Da es 3 Setzschilde mit diesem Motiv gibt und die anderen 2 Besitzer Bremer sind (Hagen & Andreas) halt das Bremer Stadtwappen. Außerdem gehörte Stade im 14. Jahrhundert zum Erzbistum Bremen.







Stader Nierendolch 
Klinge
Der Dolch wurde 1986 während der ersten Grabung im Stader Hafen gefunden.
Nach den Fotos und dem Fundbericht hat Timm Esemann uns die Dolchklinge aus historischem Raffinierstahl von 1653 gefertigt.